Brauche ich den Sonderverein bei meiner Rasse?

 

Lieber Zuchtfreunde,

mit dieser Frage setzen sich jeder Taubenzüchter aus einender. Hauptsächlich jene, die wenig verbreitete, vielleicht sogar seltene Rassen, bzw. Farbenschläge züchten, oder es vorhaben.

Wir wissen alle, dass Zuchtfreunde, die sich der Zucht seltener Rassen, bzw. Farbenschläge verschrieben haben, im Vergleich zu Rassen mit großer Verbreitung in fast jeder Hinsicht benachteiligt sind. Aber diese Züchter leisten oft Pionierarbeit und sie sind es, die schon manche vergessene Rasse, bzw. Farbenschlag wieder zur Verbreitung brachten.

Da jedes Jahr Rassen hinzukommen, die Züchtergemeinschaft aber kleiner wird, sieht die Zukunft gerade für seltene Rassen nicht rosig aus.

Um hier einen guten Start zu haben, muss ich mich schon vor Anschaffung der ersten Tiere über die Rasse, den derzeitigen Zuchtstand und vor allem über die Züchter dieser Rasse informieren.

Dass alles erfahre ich aber nur, wenn ich Kontakt zu dem betreuenden Sonderverein aufnehme.

Nur der kann Auskunft geben, wo ich Züchter dieser Rasse kontaktieren kann. Von diesen Züchtern, und von den Zuchtwarten des SV erfahre ich rassebedingte Besonderheiten, die mir schon am Anfang manchen Ärger und Enttäuschung ersparen.

Gute Voraussetzung für einen erfolgreichen Beginn ist natürlich die geeignete Anlage. Ob Ställe oder Schläge, sie müssen auf die Rasse zugeschnitten sein. Dass betrifft nicht nur die Innenanlagen, sondern auch Voliere. Das Platzangebot muss vor allem stimmen. Ich muss schon im Vorfeld einkalkulieren, wie viel Tiere ich nachziehen muss, um geeignete Ausstellungstiere zu bekommen.

Dass ist vor allem bei der Auswahl der Farbenschläge sehr verschieden. Vor allem bei seltenen Rassen sollte man sich nur auf eine Rasse spezialisieren. Hier hat man dann die Möglichkeit, schon von Anfang an mehrere Linien aufzubauen. Ist diese Rasse noch nicht so durch gezüchtet, dass Anteilmäßig genügend Zucht- und Ausstellungstiere fallen, bin ich so gezwungen, gegenüber durch gezüchteten Rassen mehr Zuchttiere einzustellen.

Schon bei der Anschaffung einer seltenen Rasse ist es nicht einfach, gutes Zuchtmaterial zu bekommen, da die wenigen Zuchten meist weit im Bundesland verstreut sind. Forscht man bei Züchtern dieser Rasse nach der Abstammung, wird man oft belehrt, dass sie alle den Selben Ursprung haben. Zwar eine Problematik, die uns aber von unserem Vorhaben nicht abbringen sollte. Ideal wäre es, wenn ich mich in der Zukunft wenigstens mit einem Züchter austauschen könnte. Es kommt dann noch ein Schwierigkeitsgrad dazu, wenn ich in Bezug auf Federzeichnung oder sonstige Rassemerkmale die Nachzucht erst nach Abschluss der Mauser selektieren kann. Auch hier spielt das Platzangebot eine gewisse Rolle.

Obwohl ein gut geführtes Zuchtbuch in jeder Zucht selbstverständlich sein sollte, ist es gerade bei wenig verbreiteten Rassen ein Muss, da ich gegenüber gängigen Rassen viel öfter und länger auf den eigenen Bestand zurückgreifen muss. Daher schon die vorher erwähnten „mehrere Linien“.

Um auch in Zukunft mit meiner Zucht weiter zu kommen, bin ich gezwungen, mit den wenigen Zuchtfreunden meiner Rasse guten Kontakt zu haben. Da diese Zuchten meist nicht in unmittelbarer Nähe sind, geht es nur über den Sonderverein. Hier trifft man sich zumindest bei den Versammlungen oder bei der jährlichen Tierbesprechung. Hierbei komme ich auch nicht um die Sonderschau, denn nur hier steht meine doch seltene Rasse unter Konkurrenz. Nur hier kann ich dann beurteilen, ob ich mit meiner Zucht auf dem richtigen Wege bin.

Die Aufgabe eines Sondervereins sollte ja sein, die Rasse zu fördern, das heißt Verantwortung für die Zuchtrichtung, Weiterentwicklung und Verbreitung zu übernehmen. Der Vorwurf so mancher Züchter, sein Sonderverein trifft falsche Zuchtentscheidungen oder es sind nur bestimmte Vorstandsmitglieder die das Sagen haben, trifft in den meisten Fällen nicht zu. Denn ein Sonderverein ist immer so stark, wie seine Mitglieder sich arrangieren.

Dass natürlich nur die Meinung der Anwesenden gehört werden kann, ist selbstverständlich. Man kann nur empfehlen, dem Sonderverein beizutreten und so weit es möglich ist, auch Versammlungen und Tierbesprechungen zu besuchen. Vor allem solche, wo es um Entscheidungen über die Zuchtrichtung geht. Hier müssen sie auch als Züchter ihre Meinung vertreten.

Die Aufgabe eines SV ist nicht nur die Zuchtrichtung vorzugeben, sondern seine Mitglieder, vor allem die Neueinsteiger auch züchterisch zu unterstützen.

Viele Züchter wissen, dass sie gerade auf Sonderschauen bessere Bewertungen bekommen, wie auf allgemein kleinere Schauen, wo kein Sonderrichter eingesetzt wird. Vor allem dann, wenn sich die Rasse weiter entwickelt hat.

Solange sich eine Rasse nach den Vorgaben des Sondervereins weiter

entwickelt, wissen von diesen Änderungen nur Züchter die sich informieren und die Sonderrichter.

Maßgebend ist aber immer noch der gültige Standard, nach dem sich auch der Allgemeinrichter richtet.

Diese „Grauzone“ zwischen der Weiterentwicklung der Rasse und der Standardänderung ist von uns Ausstellern zu akzeptieren.

Obwohl ich jeden Züchter empfehle, seinem Sonderverein beizutreten, bleibt für mich immer noch ein Wunsch offen. Es gibt leider noch keinen Sonderverein, der die Leistung und Vermehrungsfreudigkeit seiner betreuten Rasse auch schriftlich dokumentieren kann.

Ralf George

 

 


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